Bad Kreuznach/Bonn, 21. Januar 2026 – Unter dem Eindruck weltpolitischer Krisen und notwendiger innerkirchlicher Reformen ist am Dienstag die 80. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bonn zu Ende gegangen. Mit dabei war eine sechsköpfige Delegation des Kirchenkreises An Nahe und Glan. Die Synodalen diskutierten über Finanzen, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und bezogen klar Stellung gegen die Vereinnahmung des Glaubens durch nationalistische Strömungen.
Delegation vertritt die Region
Neben Superintendentin Astrid Peekhaus nahmen Pfarrerin Noreen Weyl, Pfarrer Christoph Hüther, Marion Pöhlmann-Münch, Carla Peekhaus und Thorsten Franzmann aus dem Kirchenkreis An Nahe und Glan am obersten Leitungsgremium der Landeskirche teil.
Einstehen für Schutzbedürftige und Demokratie
Ein inhaltlicher Schwerpunkt war die Sorge über die weltweite Zunahme von religiös verbrämtem Machtstreben. In einem einstimmigen Beschluss verurteilte die Synode „christlichen Nationalismus“. Superintendentin Astrid Peekhaus machte dabei die Haltung für den Kirchenkreis und die Landeskirche unmissverständlich klar:
„Die Evangelische Kirche steht an der Seite der Schwachen! Tausende Ehrenamtliche und Hauptamtliche setzen sich für Flüchtlingsschutz ein und verspüren zunehmend Anfeindungen für ihren diakonischen und humanitären Einsatz. Die Landessynode ermutigt ausdrücklich dazu, in der Arbeit nicht nachzulassen und immer wieder auf Missstände aufmerksam zu machen und sichere Orte für Menschen zu bieten.“
– Superintendentin Astrid Peekhaus
Kampf gegen Armut als Glaubensauftrag
Der gesellschaftliche Auftrag der Kirche wurde auch im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit unterstrichen. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger würdigte die Kirche in ihrem Grußwort als „Stütze des Sozialstaats“. Für die Synodale Marion Pöhlmann-Münch war dies ein zentraler Punkt der Tagung:
„Die evangelische Kirche im Rheinland sieht den Einsatz gegen Armut als wesentlichen Auftrag unseres Glaubens und unseres öffentlichen Zeugnisses. Die Landessynode fordert zum aktiven Einsatz gegen Armut in unserer reichen Gesellschaft auf. Dies ist auch mir in diesen unseren Zeiten äußerst wichtig.“
Mut zu neuen Wegen und innerer Wandel
Doch nicht nur politische Themen prägten die Woche, sondern auch der interne Reformprozess. Die Synode machte den Weg frei für neue Gemeindeformen und Anpassungen in der Ausbildung. Noreen Weyl zeigt sich begeistert von der Offenheit des Gremiums:
„Unsere Kirche ist im Wandel – das war in vielen Beschlüssen der Landessynode spürbar: neue Gemeindeformen, neue Gottesdienstformen, Veränderungen in der Ausbildung der Pfarrpersonen und vieles mehr wurde ermöglicht. Neue Wege dürfen erprobt werden, ob diese nun besonders erfolgreich sein werden oder nicht. Ich freue mich darüber, dass unsere Kirche sich auch dem Ungewohnten stellt und dabei fehlerfreundlich sein möchte.“
Finanzstrategie: Sparen und Gestalten
Um die Kirche auch für kommende Generationen handlungsfähig zu halten, beschloss die Synode eine neue Finanzstrategie. Trotz eines erfreulichen Kirchensteuer-Plus von 7,7 Prozent im Jahr 2025, das kurzfristig Luft verschafft, sind aufgrund sinkender Mitgliederzahlen Einsparungen von rund 31,8 Millionen Euro vorgesehen. Thorsten Franzmann ordnet diese Beschlüsse realistisch ein:
„Das Einsparziel und die schmerzlichen, aber dennoch notwendigen Kürzungen sind nach einem intensiven und herausfordernden Arbeitsprozess beschlossen. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch erst, nämlich mit der Beantwortung der Frage: Wie werden die verbleibenden Mittel innovativ eingesetzt, um weiter relevant und heilbringend Kirche für die Menschen zu sein.“
Konsequente Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
Einen breiten Raum nahm zudem der Bericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ein. Die Synode bekräftigte, dass Betroffene Gehör finden und die Aufarbeitung unabhängig und transparent erfolgen muss – ein Prozess, der im Kirchenkreis An Nahe und Glan durch die systematische Durchsicht der Personalakten bereits aktiv vorangetrieben wird.
Ausblick: „Du bist kostbar“
Trotz der ernsten Themen sandte die Synode ein Signal der Hoffnung. Mit Blick auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf, der unter der Losung „Du bist kostbar“ (Jesaja 43,4) steht, kehrt die Delegation gestärkt in den Kirchenkreis zurück.

