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Besuch des Schoolcamp in Wittenberg - Schüler aus Rwanda und Meisenheim feierten gemeinsam 500 Jahre Reformation

500 Jahre Reformation feierten Schüler des Paul-Schneider-Gymnasiums und seiner Partnerschule Teachers Training College in Ruanda mit einer persönlichen Begegnung und in einem Schoolcamp in Wittenberg. Schulleiterin Karin Hofmann (stehend, 2. von links, Tobias Stölzgen (4. von links), Emanuela Wagner-Heim (7. von links) und Ernest Nkurunziza (rechts stehend) mit den beteiligten Schülern

Meisenheim, Wittenberg. Es war ihre erste persönliche Begegnung: Schülerinnen und Schüler des Paul-Schneider-Gymnasiums (PSG) und Studenten des Teachers Training College (TTC) in Rubengera in Ruanda knüpften Beziehungen im Rahmen eines zweiwöchigen Besuchs von sieben jungen Leuten aus dem afrikanischen Land. Gemeinsam besuchten sie ein internationales Schoolcamp der Evangelischen Kirche in Deutschland im Rahmen der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum in  der Lutherstadt Wittenberg und verbrachten zusammen Zeit in Meisenheim.

„Es war eine große Bereicherung, die Partner aus Ruanda persönlich kennenzulernen“, resümiert Emanuela Wagner-Heim, die als Lehrerin die Gruppe betreut. „Es hat schon viele Spendenaktionen zur Unterstützung des TTC gegeben, aber wenn man die Gesichter der Partner vor Augen hat, werden die Vorstellungen konkret“, fügt ihr Kollege Tobias Stölzgen hinzu. „Wir sind glücklich, dass wir hier sein konnten und wir sind sehr beeindruckt von unserer Partnerschule“, lautet die Bilanz von Ernest Nkurunziza der seine Studenten nach Meisenheim und Wittenberg begleitete. 

Die Beziehung zwischen den beiden Schulen entwickelt sich positiv. Das TTC ist ein College für Grundschullehrer mit Internat. Derzeit absolvieren 600 Jugendliche die Ausbildung, davon der größte Teil Mädchen. Das dreijährige Studium beginnt für sie bereits im Alter von 15 Jahren, wobei manche auch später einsteigen. Evangelische Kirchen sind Träger beider Schulen: Für das PSG die Evangelische Kirche im Rheinland, für das TTC die Eglise Presbytérienne au Rwanda, deren Presbytery (Kirchenkreis) Rubengera eine langjährige Partnerschaft mit dem Kirchenkreis An Nahe und Glan verbindet. Die afrikanische Ausbildungsstätte liegt ebenfalls in dieser Region, nahe dem Kivusee, etwa 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Kigali. 

Die Gäste aus dem fernen Afrika tauchten mit viel Neugier und Freude in die ihnen vollkommen fremde Kultur ein und ihre deutschen Partner hatten sichtlich Spaß daran, sie dabei zu begleiten. Voller Staunen nahmen die Ruander wahr, dass manche Meisenheimer Häuser das stattliche Alter von mehr als 500 Jahren aufweisen. „So etwas gibt es bei uns in Afrika gar nicht“, meint einer der Studenten. Beim Besuch in Wittenberg wurde deutlich, dass die Gäste den Straßenverkehr als höchst gewöhnungsbedürftig empfanden. „So etwas wie Ampeln kennen sie gar nicht“, berichtet Sarah Schneider. 

In der sehr ländlichen Umgebung der TTC haben Straßen und Verkehrsanbindungen ein völlig anderes Aussehen. Darum war Marie Claire Ingabire auch besonders beeindruckt von den vielen Möglichkeiten der Jugendlichen, sich auch außerhalb der Schule zu treffen. In ihrer Heimat sind die Möglichkeiten dazu stark eingeschränkt. Darum nahm sie gerne die Chance wahr, mit den Meisenheimer Partnern ins Gespräch zu kommen und mit ihnen etwas zu unternehmen. Dabei waren Einkäufe im Supermarkt eine besondere Attraktion. „Für uns ist das alles so selbstverständlich, aber sie haben über Dinge wie Joghurt oder Schokolade gestaunt und wollten alles kennenlernen“, erklärt Sarah Schneider. 

Ein besonderer Erfolg war das Eis. „Ich liebe Eiscreme“, schwärmt Isaac Tuyizere und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Entgegen den Warnungen seiner deutschen Freunde erstand er eine ganze Familienpackung Eis am Stiel und reagierte völlig verblüfft, als ihm der größte Teil davon unter den Fingern wegschmolz, weil er es gar nicht so schnell essen konnte. 

Beide Seiten werten den Besuch als vollen Erfolg und diskutieren jetzt, wie die Beziehung weiter mit Leben erfüllt werden kann. Ein Gegenbesuch im nächsten Jahr ist schon ins Auge gefasst. Maren Bernhard und Melissa Geib von der Spenden-Arbeitsgemeinschaft am PSG haben schon Ideen für Aktionen, mit denen die Partnerschule unterstützt werden kann. „Unser Spendenlauf für Ruanda hat im letzten Sommer viel Geld eingebracht“, freut sich Maren, zumal die Gäste berichten konnten, dass die Spenden für die Erneuerung des Schuldachs und die Anschaffung von Möbeln und Material hoch willkommen waren. Allerdings sollen die materiellen Zuwendungen nur einen Teil der Beziehungen der beiden Schulen ausmachen. Emanuela Wagner-Heim betont: „Wir wollen keine Patenschaft begründen, sondern eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Darum müssen wir an den Inhalten noch arbeiten.“ 

01.07.2017 - Marion Unger