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Wie funktioniert die Corona-Warn-App? - Fragen und Antworten

Dr. Johann Weusmann (Foto: EKiR)

Seit dem 15. Juni gibt es die Corona-Warn-App der Bundesregierung. Deutschlandweit wurde sie bereits mehr als acht Millionen Mal heruntergeladen – unter anderem von Dr. Johann Weusmann, Vizepräsident der rheinischen Kirche. Er nutzt sie aus einem bestimmten Grund, hat wie viele andere aber auch noch Fragen zur App.

„Ich selbst habe die App installiert“, berichtet Dr. Johann Weusmann, Vizepräsident der rheinischen Kirche. Allerdings will er dies ausdrücklich nicht als Aufruf verstanden wissen, es ihm gleich zu tun. Aus einem einfachen Grund: „Die Risiken, die damit verbunden sind, überblicke ich nicht.“ Dennoch habe er für sich persönlich die Entscheidung getroffen, die Anwendung zu nutzen, „weil ich dadurch mit wenig Aufwand einen Beitrag zur Aufdeckung von Infektionsrisiken beitragen kann“.

Eine Umfrage auf unserer Facebookseite zeigt, dass nicht nur deutschlandweit, sondern auch unter unseren Facebook-Abonnenten der Zuspruch zur App groß ist. Mehr als 200 Personen haben bereits an der Umfrage teilgenommen. 69 Prozent davon bejahten die Frage „Habt Ihr schon die Corona-Warn-App der Bundesregierung heruntergeladen?“.

Knapp ein Drittel hingegen hat die App somit (noch) nicht auf dem Smartphone. Grund dafür könnten Zweifel, Unklarheiten oder auch die von Dr. Weusmann angesprochenen möglichen Risiken sein. Darauf deuten jedenfalls die Kommentare unter dem Facebook-Post hin. „Lässt sich nicht herunterladen“ oder „Erst brauche ich das Corona-kompatible Smartphone“ heißt es da etwa. Deshalb haben wir kurzerhand die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Funktionsweise und Datenschutz der Corona-Warn-App zusammengefasst:

Wie finde ich die App?

Die Corona-Warn-App kann für Android-Geräte aus dem Google-Play-Store sowie für Apple-Geräte aus dem App-Store heruntergeladen werden. Dabei ist jedoch etwas Aufmerksamkeit gefragt. Wer beispielsweise nach „Corona App“ sucht, findet mittlerweile etliche Corona-Applikationen. Am besten deshalb gezielt nach der „Corona-Warn-App“ suchen. Diese ist erkennbar an einem blau-roten „C“ im Logo. Auf www.corona-warn-app.de gibt es zudem Direktlinks zur Anwendung in den jeweiligen Stores. Wichtig für Apple-Nutzer: Um die Anwendung auf iPhones nutzen zu können, muss die aktuelle iOS-Version 13.5. installiert sein. Auf iPhones 6 oder älteren Modellen steht sie nicht zur Verfügung.

Wie kann ich die App einrichten?

Nachdem die App geöffnet wurde, erscheinen Infos zur Anwendung und ihrer Funktion. Mit einem Klick  auf „Los geht’s“ landet die Nutzerin bzw. der Nutzer bei der Datenschutzerklärung, der mit einem Klick auf „Weiter“ zugestimmt wird. Damit eine Information über ein mögliches Infektionsrisiko von der App ausgespielt wird, muss die Risikoermittlung eingerichtet werden. Dazu klicken Sie auf „Risikoermittlung aktivieren“. Mit einem Klick auf „Aktivieren“ stimmen Sie zu, dass die App Datum und Dauer sowie die Signalstärke bei Begegnungen mit anderen App-Nutzenden ermitteln darf. Nur so kann sie ihren Zweck erfüllen. Es folgen weitere Infos zum Umgang mit der Anwendung, die es jeweils mit „Weiter“ zu bestätigen gilt. Das war‘s schon.

Ist die App barrierefrei?

Die Anwendung ist laut der Bundesregierung barrierefrei gestaltet. Außerdem stehen die wichtigsten Informationen zur Funktionsweise online auch in Gebärdensprache und leichter Sprache bereit. Die Anwendung selbst gibt es auf Deutsch und Englisch. Weitere Sprachen wie Türkisch, Arabisch, Französisch und Russisch sollen folgen.

Ist die Nutzung der App verpflichtend?

Nein, die Nutzung der Corona-Warn-App ist komplett freiwillig. Die Anwendung wird auch nicht automatisch auf das Smartphone aufgespielt, wenn ein Betriebssystem-Update durchgeführt wird. Die App kann außerdem jederzeit gelöscht werden. Dann werden auch alle von der App gespeicherten Informationen vom Smartphone entfernt.

Welches Ziel verfolgt die Bundesregierung mit der App?

Das Ziel der Bundesregierung ist es, mit Hilfe der App die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Die Anwendung soll dabei helfen, Infektionsketten schneller zu erkennen und zu unterbrechen. Die Regierung betont jedoch, dass die App bestehende Schutzmaßnahmen nicht ersetzt. Vielmehr sei die Anwendung eine gute Ergänzung zum Abstandhalten, Händewaschen und Tragen von Alltagsmasken. Außerdem könnten mit der Anwendung die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter entlastet werden, da diese nicht jeden Fall persönlich aufarbeiten müssten. Ohnehin ist eine analoge Nachverfolgung oft mit Schwierigkeiten verbunden. So erinnert man sich etwa nicht immer an alle Kontakte der vergangenen zwei Wochen oder hatte Kontakte zu fremden Personen.

Wie funktioniert die Anwendung?

Die App erfasst die „digitale Begegnung“ zweier Smartphones. Mithilfe von Bluetooth werden dabei Smartphones in der Nähe erkannt, auf denen die Anwendung ebenfalls aktiviert ist. Dabei werden der Abstand und die Begegnungsdauer zwischen den Geräten gemessen. Die App tauscht schließlich Bluetooth-IDs zwischen den beiden Smartphones aus. Dabei handelt es sich um Zufallscodes, die zirka alle zehn Minuten neu generiert werden. Diese verschlüsselten IDs werden für zwei Wochen ausschließlich auf den jeweiligen Geräten der sich begegneten Personen gespeichert und erlauben keinen Rückschluss auf die Nutzer und ihren Standort.

Werden IDs zwischen Smartphones immer ausgetauscht?

Nein. Die Corona-Warn-App merkt sich die IDs anderer App-Nutzerinnen und -Nutzer nur, wenn die Begegnungen zwischen den Personen vom Robert Koch-Institut festgelegte Kriterien erfüllen. Diese Kriterien sind ein Abstand von drei Metern oder weniger sowie eine Dauer des Kontakts von 15 Minuten und mehr. Die IDs werden nach 14 Tagen gelöscht.

Wann warnt mich die App?

Wurde eine Nutzerin oder ein Nutzer positiv auf das Virus getestet, kann er dies manuell in die App eintragen. Diese „positiven IDs“ landen auf einem Server. Bei der sogenannten Risiko-Überprüfung vergleicht die App schließlich die eigenen IDs mit den IDs von positiv getesteten App-Nutzerinnen und -Nutzern. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Die Anwendung speichert lokal auf dem eigenen Smartphone die eigenen IDs sowie die Zufallscodes der Personen, mit denen man in den vergangenen zwei Wochen eine den Kriterien in Sachen Abstand und Dauer entsprechende Begegnung hatte. Bei der Risikoüberprüfung lädt sich die App schließlich die „positiven IDs“ vom Server auf das eigene Smartphone herunter. Diese Überprüfung findet somit direkt und ausschließlich auf dem eigenen Smartphone statt. Ergibt die Überprüfung einen Treffer, folgt eine Meldung durch die App. Dabei gibt es drei Statusinformationen. Ein „niedriges Risiko“ meldet die Anwendung, wenn die Überprüfung keine Begegnung mit positiv getesteten Personen ergeben hat. Damit verbunden sind Informationen zu allgemein geltenden Abstandsregeln sowie Hygieneempfehlungen. Ein „erhöhtes Risiko“ wird gemeldet, wenn es innerhalb der vergangenen 14 Tage Begegnungen mit mindestens einer Corona-positiv getesteten Person gab. Es folgen Verhaltenshinweise. Wie Gesundheitsminister Jens Spahn während der Pressekonferenz zur Vorstellung der App am 16. Juni erläuterte, würden in diesem Fall Personen eingeladen, sich testen zu lassen. Die Kosten dafür würden übernommen werden. Ein „unbekanntes Risiko“ wiederum zeigt die App an, wenn die Risiko-Ermittlung nicht lange genug aktiviert war und damit kein Infektionsrisiko berechnet werden konnte. Übrigens: Es erfolgt keine Echtzeitwarnung, sollte man sich in der Nähe einer infizierten Person aufhalten. Dadurch bleibt die Anonymität der Nutzer bewahrt.

Was ist, wenn ich selbst positiv getestet wurde?

Wer positiv getestet wird, bekommt vom Labor bestenfalls einen QR-Code, mit dem die Infektion direkt an die App gemeldet werden kann. Es sind jedoch noch nicht alle Gesundheitsämter und Labore digital mit der App verbunden. Das soll laut der Regierung in den kommenden vier Wochen geschehen. Ist dies noch nicht der Fall, ruft der oder die Betroffene eine Hotline an. Dort müssen bestimmte Fragen beantwortet werden. Kommt der oder die Mitarbeitende zum Schluss, dass es sich nicht um eine Falschmeldung handelt, erhält man einen Code aufs Smartphone geschickt.

Muss ich es melden, wenn ich positiv getestet wurde?

Nein. Wie die Nutzung der App ist auch die Meldung einer Infektion vollkommen freiwillig. Entscheidet sich die betroffene Person dafür, werden deren Zufallscodes allen Personen für eine Risiko-Ermittlung zur Verfügung gestellt.

Wie sieht es aus mit Datenschutz?

Die Anwendung erfüllt höchste Datenschutzanforderungen und entspricht der Datenschutzgrundverordnung. Bei der Anmeldung müssen keine persönlichen Daten wie E-Mail-Adresse oder Name angegeben werden. Darüber hinaus ist der Quellcode der App Open-Source und damit jederzeit öffentlich einsehbar und kann stetig auf Fehler getestet werden. Solche freien Softwares werden von der Evangelischen Kirche im Rheinland favorisiert. So ist sie 2018 als erste kirchliche Einrichtung der Open Source Business Alliance beigetreten. Darüber hinaus werden die durch die App erfassten Daten dezentral gespeichert. Keine der an der Entwicklung beteiligten Parteien kann diese Daten auslesen. Die Codes der Nutzerinnen und Nutzer werden zirka alle zehn Minuten neu generiert, sodass eine Identifizierung nahezu unmöglich ist. Die Risikoüberprüfung erfolgt nur auf dem eigenen Smartphone und nicht auf einem Server. Dieser dient lediglich dazu, die pseudonymisierten Positivmeldungen an alle Teilnehmenden zu verteilen. Zudem werden keine Positionsdaten ausgelesen. Eine Corona-positiv getestete Person erfährt nicht, welche Personen informiert werden – und umgekehrt.

Gibt es dennoch Schwachstellen hinsichtlich des Datenschutzes?

Der Großteil der Experten, etwa des Chaos Computer Clubs, ist mit dem Datenschutz der Corona-Warn-App zufrieden. Diese Einschätzung wird auch von in Sachen Datenschutz besonders kritischen Personen geteilt, die selbst an der Entwicklung beteiligt waren. Die einzige wirkliche Schwachstelle stellt im Prinzip die Hotline dar. Denn hier sind die Nutzenden durch die Telefonnummer theoretisch identifizierbar. Klar ist aber auch, dass sich mögliche Sicherheitslücken oder Probleme wohl erst mit der Zeit zeigen werden. Die Bundesregierung betont in diesem Zusammenhang, dass es sich um eine lernende Anwendung handelt, die stetig weiterentwickelt und nachgebessert werde. Interessant wird auch sein, wie mit der Freiwilligkeit umgegangen wird. Bislang gibt es noch kein Gesetz, das einen Zwang zur Nutzung beispielsweise als Voraussetzung für bestimmte Aktivitäten wie Bahnfahren oder einen Gaststätten- sowie Gottesdienstbesuch verhindert. Justiz- und Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht sieht dafür im Moment aber auch keinen Anlass, wie sie auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der App ausführte. Schließlich würde dies in erster Linie nur der Person schaden, die den Zwang ausübe. Das verdeutlichte sie am Beispiel Restaurantbesuch: Weil die Anwendung keine Echtzeitwarnungen liefert, könne der Wirt damit eigentlich kaum etwas anfangen. Vielmehr weise er damit willkürlich Kunden ab, ohne das Risiko einschätzen zu können. Hinzu kommt, dass eine Positiv-Meldung ebenfalls freiwillig ist. Es können also auch Infizierte in der App als gesund gelten. Nutzerinnen und Nutzer sollten dennoch im Auge behalten, ob diese Freiwilligkeit vollständig im gesellschaftlichen Leben gewahrt bleibt.

Wie sehr werden mein Akku und Datenvolumen strapaziert?

Die Entwickler versprechen, dass die App trotz der Dauernutzung von Bluetooth akkuschonend läuft. Über den Datenverbrauch müssen sich Nutzerinnen und Nutzer keine Sorgen machen. Denn die Mobilfunk-Betreiber in Deutschland werden ihren Kunden keinen Datenverkehr berechnen, der durch die App entsteht. Das teilte Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, während der Vorstellungspressekonferenz mit.

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Quelle: ekir.de / Andreas Attinger, Fotos: Andreas Attinger, Hans-Jürgen Vollrath / 18.06.2020