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Aufruf zum gemeinsamen Gebet - Solidarisches Glockenläuten in der Corona-Krise

Mit Glockengeläut – wie hier vom Turm der evangelischen Kirche in Staudernheim - wollen die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden künftig jeden Abend ihre Verbundenheit mit den vom Corona-Virus Betroffenen bekunden und zum Gebet einladen.

Bad Sobernheim/Kreis Bad Kreuznach. Mit einem solidarischen Glockengeläut wollen die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden täglich die Verbundenheit mit den Corona-Betroffenen ausdrücken. Mit der ökumenischen Aktion laden sie zugleich zum Gebet ein. 

Die Gemeinden im katholischen Dekanat sind aufgerufen, vom kommenden Mittwoch, 25. März, an jeden Abend um 19.30 Uhr die Glocken zu läuten. Auch am Sonntag soll das Geläut zu den gewohnten Gottesdienstzeiten zum gemeinsamen Gebet anregen. Darum hat Dechant Günter Hardt in einem Schreiben an die Dekanatskonferenz gebeten. Die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan, Pfarrerin Astrid Peekhaus, empfiehlt den evangelischen Gemeinden, sich der Aktion anzuschließen. 

„Wir wollen ein gemeinsames Zeichen setzen und die Menschen zum Gebet aufrufen“, sagt Astrid Peekhaus. „In Zeiten, in denen wir die Gemeinschaft im Gottesdienst schmerzlich vermissen, ist es gut, wenn wir mit den Glockenruf anregen, gemeinsam ein Vaterunser zu beten.“ Für Dechant Günter Hardt ist das Glockengeläut ein Zeichen der Verbundenheit mit den von der Corona-Krise besonders Betroffenen. Dabei verweist er auf das Gemeinsame Wort der Katholischen, der Evangelischen und der Orthodoxen Kirche zur aktuellen Krise.

In Bad Sobernheim nahm die Aktion ihren Anfang. St. Matthäus und die Evangelische Kirchengemeinde, aber auch die Kirchengemeinde Staudernheim mit Abtweiler und Lauschied nahmen die Idee auf, weitere werden wohl folgen. Dabei kann die Dauer des Geläuts in den einzelnen Ortschaften unterschiedlich lang ausfallen. Es ergänzt die in den Dörfern üblichen Läutezeiten – etwa das Abendläuten oder das Sterbegeläut - die beibehalten werden.   

„Wir möchten auch am Sonntagmorgen weiter läuten als Einladung zum Fernsehgottesdienst, zum Streaming-Gottesdienst des Kirchenkreises oder als Hinweis, die Kurzpredigt auf der Homepage unserer Gemeinde zu lesen“, erläutert Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel den Beschluss des Bad Sobernheimer Krisenteams, das derzeit Entscheidungen für das Presbyterium trifft. „Angesichts der besonderen Situation sind wir gerne bereit, das Geläut ökumenisch zu synchronisieren.“ Dechant Günter Hardt macht aufmerksam auf die Eucharistie, die nun sonntags um 10 Uhr aus dem Trierer Dom über die Homepage des Bistums Trier gestreamt wird.

Die Ausbreitung des Coronavirus verändert das kirchliche Leben dramatisch und sorgt für Verunsicherung. Da kann das Glockengeläut ein wichtiges Zeichen sein. „Mir hilft es, meine Sorgen vor Gott zu bringen,“ sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, in einer Videobotschaft und nennt als Beispiel, das Geläut der Kirchenglocken. Für ihn ist das „eine Einladung zum Gebet und eine Erinnerung, dass Gottes Fürsorge bleibt“.

22.03.2020 - Marion Unger