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Eine Chance für junge Mütter in Ruanda - Das Spendenprojekt des Kirchenkreises geht weiter

Eine Ausbildung zur Schneiderin eröffnet jungen Frauen in Ruanda, die ungewollt sehr früh schwanger wurden, eine Chance für die Zukunft. Der Kirchenkreis unterstützt sie mit seinem aktuellen Partnerschaftsprojekt. (Foto: Hans Jürgen Gärtner)

Kreis Bad Kreuznach/Rubengera (Ruanda). Eine erfreuliche Zwischenbilanz des Projekts „Junge Mütter brauchen Hilfe“ zog der Synodale Fachausschuss Rwanda (SFR) des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan. Wegen des großen Erfolges geht die Initiative 2020 in eine weitere Runde.

„Unsere Partner in der Presbytery Rubengera leisten hervorragende Arbeit“, äußerte sich SFR-Vorsitzende Joana Kunz (Winterbach) im Rückblick auf zwei Jahre des Projekts. Der Kirchenkreis unterstützt junge Frauen in der Partnerregion, die aus Naivität und mangelnder Aufklärung noch als halbe Kinder schwanger wurden. Oft sind sie dann auf sich allein gestellt, denn ihre Familien lehnen sie ab, sie werden gedemütigt oder sogar verstoßen. Unter dem Motto „Keine Angst, das Leben geht weiter“, kümmert sich der Diakonie-Ausschuss unter der Leitung von Andréanne Kabazayire um die Teenager-Mütter aus verschiedenen Gemeinden.

„Die jungen Mütter können sich Schritt für Schritt - mittels kleiner Projekte und Handarbeiten zum Gelderwerb - eine Zukunftsperspektive erarbeiten“, berichtet Joana Kunz. So erhielten 30 Frauen eine Ausbildung zur Schneiderin. „Bis jetzt haben sie gelernt, Hemden, Kleider, Röcke, Hosen und Blusen herzustellen“, heißt es in einem Bericht von Andréanne Kabazayire. Ausgestattet mit diesen Fertigkeiten ist es möglich, eine Nähmaschine zu leihen oder sich in einer Schneiderei zu bewerben. Weitere Ausbildungsstätten vermitteln Fertigkeiten zur Herstellung von Körben und anderen Gebrauchsgegenständen. Nach einem Training, wie man das neue Wissen für ein eigenes kleines Unternehmen nutzen kann, erhält jede von ihnen ein Startgeld von umgerechnet 30 Euro. Das klingt hier nach wenig, bedeutet in Ruanda jedoch eine Chance für ein eigenständiges Leben. 

Einen guten Start ins Leben will das Projekt auch den Babys ermöglichen. Darum wird die Ausbildung ihrer Mütter begleitet von Kursen für Pflege und Ernährung ihrer Kinder sowie von Aufklärung, wie weitere ungewollte Schwangerschaften verhindert werden können. Ein besonders wichtiges Element ist der Umgang mit Konflikten, die durch den ungeplanten Nachwuchs in den Familien entstehen. Andréanne Kabazayire beschreibt ein in ihren Augen gut verlaufenes Treffen, bei dem junge Mütter und deren Eltern sich aussprechen konnten. 

Die guten Nachrichten aus Ruanda ermutigen den SFR, das Projekt weiterzuführen. Bisher sind im Kirchenkreis 2018 und 2019 insgesamt rund 48 000 Euro durch Spenden, Patenschaften und Kollekten zusammengekommen. Die erste Rate für 2020 in Höhe von 14 000 Euro wurde bereits überwiesen. „Jetzt fehlen uns für das nächste Jahr noch 10 000 Euro“, erklärt Burkhard Gosch (Bad Sobernheim), der die Finanzen des Projekts managt.

„Wir freuen uns über die tolle Zwischenbilanz aus Rubengera“, resümiert Joana Kunz. Das Wichtigste für die jungen Mütter sei es zu spüren, dass sie nicht allein gelassen werden. Dafür sorgt auch die spirituelle Begleitung. Die Frauen fühlen sich in der kirchlichen Gemeinschaft geborgen, viele von ihnen haben sich taufen lassen. Trotzdem gebe es noch viel zu tun. „In unserer Partnerregion werden immer noch viele junge Frauen ungewollt schwanger und um ihre Lage zu verbessern, ist auch ein gesellschaftliches Umdenken notwendig“, meint Joana Kunz.

Großes Lob erfuhr das Projekt von einer hochkarätigen Kommission aus Mitgliedern des Aufsichtsrats der Vereinten Evangelischen Mission, einer Gemeinschaft von 39 Kirchen und Institutionen, zu der auch die Evangelische Kirche im Rheinland gehört. „Die Initiative trägt zu einem Mentalitätswandel in der Gesellschaft bei“, sagte Jered Kalimba, Bischof einer benachbarten Diözese der Anglikanischen Kirche Ruandas. „Die Ablehnung, die junge Mütter in ihren Familien erfahren ist in Ruanda ein großes Problem und die Arbeit mit den Angehörigen in diesem Projekt umso wertvoller.“

07.12.2019 - Marion Unger

Spendenkonto für das Projekt bei der Sparkasse Rhein-Nahe: Kirchenkreis An Nahe und Glan, Stichwort: Junge Mütter, IBAN: DE51 5605 0180 0010 1998 18, BIC: MALADE51KRE.