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Moderne Schule mit langer Tradition - Das Paul-Schneider-Gymnasium wird 75 Jahre alt

Schulleiterin Karin Hofmann (rechts) ist stolz auf die engagierte Schülervertretung am PSG. Von links: Nick Bitner, Schülersprecherin Maja Friedrich, Marielle Schneider und Emilia Heller. (Foto: Marion Unger)

Der pädagogische Schwerpunkt Sport ist eine der Säulen im Profil des Paul-Schneider-Gymnasiums. Nicht nur bei den Bundesjugendspielen wie auf diesem Foto erbringen Schülerinnen und Schüler beachtliche Leistungen. (Foto: Paul-Schneider-Gymnasium)

Meisenheim. Das Paul-Schneider-Gymnasium (PSG) in Meisenheim feiert seinen 75. Geburtstag. Mit dem besonderen Akzent auf diesem Jubiläum lädt die älteste der zehn Schulen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zu ihrem alljährlichen Schulfest, dem Paul-Schneider-Tag, am Samstag, 15. Juli, ein. 

Eine moderne Schule mit langer Tradition – dieses Bild bietet das PSG an seinem Ehrentag. Dabei will man sich nicht nur international und global, sondern sogar universell präsentieren. Sichtbares Zeichen dafür wird ein Stratosphären-Ballon sein, der am Paul-Schneider-Tag gegen 16.30 Uhr vom Pausenhof aus bis auf 30 000 Meter Höhe an den Rand des Weltalls aufsteigen soll. 

Gegründet 1948 als die erste von zehn Schulen der rheinischen Kirche wurde das Gymnasium nach Paul Schneider benannt. Der Pfarrer aus Dickenschied im Hunsrück leistete den Nationalsozialisten Widerstand. Sein Mut und seine Glaubensstärke brachten ihm Haft im Konzentrationslager Buchenwald ein, wo er 1939 ermordet wurde. In dem zur Gründungszeit angeschlossenen Internat fanden zahlreiche Kriegswaisen Aufnahme. Die EKiR verband mit dem Aufbau ihrer Schulen auch die Hoffnung, dass hier theologischer Nachwuchs heranwächst. Das Internat wurde 2015 aus Kostengründen geschlossen. 

„Wir sind eine Schule, die Traditionelles mit Modernem verbindet“, betont Schulleiterin Karin Hofmann. So sehe sich das PSG dem Erbe einer alten Lateinschule verpflichtet, die 1558 von Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken ins Leben gerufen wurde. „Aus dem Geist der Reformation entstand ein Bildungsverständnis, das christliche Werte, antikes Kulturgut und ein aufgeklärtes Menschenbild miteinander verbindet“, erläutert sie. 

„Für mich ist das PSG ein Ort der Gemeinschaft, denn hier verbringe ich mehr Zeit meines Lebens als zu Hause“, stellt Schülersprecherin Maja Friedrich fest. „Hier zu sein, fühlt sich nicht nur wie Arbeit und Lernen an.“ Maja besucht die Jahrgangsstufe 12 und engagiert sich in der Schülervertretung (SV). „75 Jahre – das ist eine echt krasse Zahl“, fügt Marielle Schneider hinzu. Zusammen mit Emilia Heller und Nick Bitner ist sie Stellvertretende Schülersprecherin. Zwölf Mädchen und fünf Jungen bilden im PSG eine äußerst aktive SV, die ihr Mitspracherecht am schulischen Leben gut einzusetzen weiß. Über die eigene Schule hinaus vernetzen sich die jungen Leute mit Schülersprecherinnen und -sprechern der anderen landeskirchlichen Schulen. Ihre Zusammenkünfte werden von der Schulstiftung der rheinischen Kirche gefördert. Für Karin Hofmann ist die Mitwirkung in der SV eine Chance für junge Leute, demokratische Verhaltensweisen einzuüben.  „Sie machen das toll“, schwärmt sie über die manchmal auch querdenkende, selbstbewusste Interessengemeinschaft. Gerne wird der SV daher viel Freiraum gestattet. 

Kenntnisse erwerben und dabei Spaß haben – das macht für Emilia Heller die besondere Atmosphäre am PSG aus. Ihre Erfahrung lautet: „Die Lehrer versuchen nicht nur, Wissen aus uns herauszuholen, sondern uns etwas fürs Leben mitzugeben.“ Das familiäre Umfeld, das vertrauensvolle Verhältnis von Schülern und Lehrern ist auch für Verbindungslehrerin Jennifer Schunck Grund genug, sich über den Unterricht hinaus für die persönliche Entwicklung der jungen Menschen zu interessieren und die Arbeit der SV zu unterstützen. 

Am Wandel im Fächerkanon im Lauf von 75 Jahren ist abzulesen, dass sich das PSG laufend auf neue Bedürfnisse und Herausforderungen einstellt. Was sich von der Gründung an bis heute neben dem üblichen Fächerangebot durchzieht, ist der pädagogische Schwerpunkt Sport, der seinerzeit mit der täglichen Sportstunde für die Klassen fünf bis acht und dem Leitungskurs Sport in der Oberstufe Pionierarbeit leistete und heute mit sportlichen Erfolgen in zahlreichen Disziplinen im Fokus der Öffentlichkeit steht. 

Anfang der 1980-er Jahre erprobten Schülerinnen und Schüler der Oberstufe erstmals Aktivitäten in praktischer Diakonie. Aus dem Sozialpraktikum in verschiedenen Einrichtungen entwickelte sich eine weitere Säule der Schulphilosophie: das sozialdiakonische Engagement für Inklusion. Es umfasst unter anderem das freiwillige Fach Diakonie in der Mittelstufe, die Zusammenarbeit mit dem Bodelschwingh-Zentrum der Stiftung kreuznacher diakonie sowie die Betreuung von unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten. Karin Hofmann freut sich darüber, dass das gesellschaftswissenschaftliche Spektrum durch die Einführung des Faches Sozialkunde bereits ab der achten Klasse aufgewertet wird. Am PSG wird auf vielfachen Wunsch der Schüler, Eltern und Kollegen vom kommenden Schuljahr an in der Oberstufe Sozialkunde als Leistungsfach neu angeboten. „Das Ziel ist, mehr Demokratisierung in den Schulen zu erreichen und dafür sind wir gut aufgestellt“, unterstreicht die Schulleiterin. 

Mit vielversprechenden Ansätzen ist eine dritte Säule im Profil des PSG im Aufbau: ein musisches Konzept mit Schwerpunkten auf Kunst, Musik und Darstellendem Spiel. Oberstes Ziel aller pädagogischen Mühe ist es nach den Worten von Karin Hofmann, „Kinder und Jugendliche zu befähigen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und tätiges Glied der Gesellschaft zu sein“.  

12.07.2023 - Marion Unger