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Junge Mütter in Not, in Deutschland wie in Ruanda - Gäste aus Ruanda zu Besuch in Mutter- und Kind-Gruppe

Einen lebhaften Erfahrungsaustausch gab es zwischen der Mutter-Kind-Gruppe in Kirn und Gästen aus Ruanda sowie Mitgliedern des Synodalen Fachausschusses Ruanda (SFR). Von links: Andrea Kunert, Kornelia Spiegel, Marion Unger (SFR), Remy Kwizera, Noella Ishimwe, Emmanuel Hakizimana, Anna-Lena Werblow, Superintendent Prince Karangwa und Elke Schmidt (SFR). (Foto: Unger)

Besuch von Gästen aus Ruanda, die derzeit im Kirchenkreis An Nahe und Glan weilen, erhielt eine Mutter-Kind-Gruppe in Kirn. Die Einrichtung der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie kümmert sich um junge alleinstehende Mütter, und hilft ihnen, in ein selbständiges Leben zu finden. 

Die soziale und seelsorgerische Unterstützung junger Frauen in Ruanda, die im Teenageralter schwanger werden und von ihren Familien zurückgewiesen, wenn nicht gar verstoßen werden, ist seit Jahren ein Schwerpunkt der diakonischen Arbeit in der Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis und dem Presbytery Rubengera in Ruanda. Die sechsköpfige Delegation, die derzeit den Kirchenkreis besucht, interessierte sich daher besonders für dieses Arbeitsfeld und seine Herausforderungen in Deutschland. In einem intensiven Austausch mit Betreuerinnen und einer jungen Frau, die mit ihrem Sohn in der Kirner Wohngruppe lebt, kristallisierten sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. 

„Es geht sehr lebhaft bei uns zu, wenn acht Kinder miteinander spielen und dabei Krach machen“, beschrieb Andrea Kunert, Leiterin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der kreuznacher diakonie, den Alltag in dem Haus am Halmer Weg. Sieben Mütter wohnen mit acht Jungen und Mädchen hier unter einem Dach. „Ab und zu gibt es schon mal Streit zwischen den Kindern, aber auch zwischen den Müttern.“ Aber immer wieder versöhnen sie sich, leisten einander Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder. Diana (17) ist eine von ihnen. Als sie mit ihrem heute anderthalb-jährigen Sohn schwanger wurde, keine Bindung an ihre Eltern oder an ihren ein Jahr jüngeren Partner mehr hatte, fand sie hier ein Zuhause. Sie kann ihre Schulausbildung zu Ende führen, Jaden bekam einen Platz in einer Kita. „Das Haus ist ein Auffangort, an dem man sich geschützt fühlt“, erklärt sie. „Die Betreuerinnen haben immer ein offenes Ohr und man findet bei ihnen Hilfe.“ 

Dennoch sucht Diana konsequent einen Weg in die Selbständigkeit. Wenn sie die Schule mit der Mittleren Reife abgeschlossen hat, will sie so schnell wie möglich in eine Berufsausbildung starten. „Ich will eigenes Geld verdienen, damit ich für meinen Sohn und mich sorgen kann“, betont sie. Sie schildert das Zusammenleben in der Mutter-Kind-Gruppe als sehr familiär. Nach ihrem Empfinden ist dies ein Verdienst der liebevollen Betreuung und aus ihren Worten spricht tiefe Dankbarkeit. Nicht alle jungen Mütter haben so klare Vorstellungen wie Diana. Viele brauchen länger, um ihren eigenen Weg zu finden und unabhängig zu werden, manche von ihnen bis zu fünf Jahren. 

Während junge Mütter in dieser Lage hierzulande einen Rechtsanspruch auf staatliche Hilfe haben, stehen schwangere Teenager in Ruanda praktisch vor dem Nichts. Superintendent Prince Karangwa, Emmanuel Hakizimana sowie Noella Ishimwe und Remy Kwizera Musabyimana hatten zahlreiche Fragen, unter anderem zu den Beziehungen zu den Herkunftsfamilien der jungen Mütter. In Ruanda tun sich hier die größten Probleme auf. Wenn Mädchen schwanger werden, reagieren deren Familien mit starker Ablehnung, oft auch mit Gewalt. Nicht wenige landen auf der Straße, prostituieren sich und ihrem Nachwuchs droht ein Schicksal als Straßenkinder. Der Synodale Fachausschuss Ruanda (SFR) des Kirchenkreises plant daher eine Fortsetzung seines Spendenprojekts, um die Einrichtung einer Notunterkunft mit Schutzraum im Gemeindezentrum Ubucuti für junge Mütter während der ersten gefahrvollen Tage des Konflikts zu unterstützen. 

„Was kann man tun, um die jungen Frauen mit ihren Familien zu versöhnen?“, fragte Prince Karangwa. Doch dieses Problem ist nach der Erfahrung von Andrea Kunert hier ebenso schwer zu lösen wie in Ruanda. „Manche Großeltern sind bereit, ihre Töchter und Enkelkinder zu unterstützen, aber das ist eher selten der Fall“, bedauert sie. 

24.06.2023 - Marion Unger