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Gemeinsam ein Friedenszeichen setzen - Botschaft der Kirchenkreise An Nahe und Glan und Rubengera in Ruanda zum Krieg in der Ukraine

Seit mehr als 30 Jahren verbindet den Kirchenkreis An Nahe und Glan eine Partnerschaft mit Rubengera in Ruanda. Gemeinsame Gottesdienste, wie hier in Rubengera, sind wichtiger Bestandteil der persönlichen Begegnungen.

Kreis Bad Kreuznach. Ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk bekunden der evangelische Kirchenkreis An Nahe und Glan und seine Partnerregion Rubengera in Ruanda mit einer gemeinsam formulierten Botschaft. Darin rufen sie zum Gebet für Frieden und Gerechtigkeit auf. 

„Als Partnerinnen und Partner aus den beiden Kirchenkreisen Rubengera in Ruanda und Nahe und Glan in Deutschland, sind wir schockiert angesichts der kriegerischen Aggression, die eine neue Dimension angenommen hat“, heißt es in der Erklärung, die vom Synodalen Fachausschuss Ruanda, dem Träger der Partnerschaft, veröffentlicht wurde. Darin wird betont: „Jeder Krieg in der Welt bedeutet eine Katastrophe für diejenigen, die unter den Gewaltakten leiden. Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein.“ Die Menschen in Rubengera und in der Nahe-Region verbinden ihre gemeinsame Botschaft mit einem Friedensappell und einem Ruf zum Gebet. 

Die Motivation zu dem Friedensappell und Gebetsruf entspringe nicht nur der Tatsache, dass der Krieg in der Ukraine schon fast im Zentrum Europas angekommen sei, erklären die Kirchenkreise die deutsche Sichtweise. Es sei eher die Furcht vor einem weltweiten Krieg, der zudem mit einer nuklearen Bedrohung den Frieden in der Welt in Frage stelle. „Mit zahlreichen christlichen und internationalen Organisationen rufen wir zum Frieden auf und zur Solidarität mit der Ukraine“, formulieren die Christinnen und Christen über Kontinente hinweg ihr Anliegen. 

Das Partnerschaftskomitee in Rubengera fügt einen Aspekt aus ruandischer Sicht hinzu. Danach sei es undenkbar, dass in der heutigen Zeit die Souveränität eines unabhängigen Staates von einem anderen Staat bedroht werde. Dies geschehe jetzt vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, die angesichts eines solch niederträchtigen Aktes machtlos sei. „Wir Ruander, die den Krieg und Genozid im Jahr 1994 erlebt haben, wir wissen nur zu gut, wie viel Leid eine solche Situation für die betroffenen Völker bedeutet“, schildern die Partnerinnen und Partner in dem afrikanischen Land ihre Empfindungen in der Rückschau auf das eigene Schicksal. 

In einigen Gemeinden des Presbytery Rubengera haben die Gemeindeglieder begonnen, für das ukrainische Volk zu beten, aber auch für all die Menschen, die in irgendeiner Weise von diesem Krieg und dessen Folgen betroffen sind. „Wir beten vor allem für ein Ende des Krieges und für eine friedliche Lösung der bestehenden Konflikte“, berichten die Mitglieder des dortigen Partnerschaftskomitees. 

„Entsetzt und betroffen über den brutalen Krieg in der Ukraine“, zeigten sich Superintendentin Astrid Peekhaus und ihr ruandischer Kollege, Pastor Prince Karangwa. „Wir verurteilen Gewalt und setzen uns für ein friedliches Miteinander der Menschen über alle Grenzen hinweg ein“, unterstreicht Astrid Peekhaus. Das zeige die Partnerschaft, die den Kirchenkreis seit über dreißig Jahren mit dem Presbytery Rubengera verbindet. Diese Freundschaft habe selbst den Genozid in Ruanda überdauert. Beide Kirchenkreise wollen mit ihrem gemeinsamen Aufruf zur Beendigung des Krieges sowie der Einladung zum Gebet ein Zeichen des Friedens im täglichen Leben setzen. Alle Gemeinden sind eingeladen, dem Aufruf in den Gottesdiensten zu folgen. 

Hier der Text der gemeinsamen Botschaft:

Eine Botschaft der Solidarität mit dem ukrainischen Volk, gemeinsam formuliert von den Menschen der Partnerkirchenkreise Rubengera in Ruanda und Nahe und Glan in Rheinland-Pfalz.

Beten für Frieden und Gerechtigkeit

Als Partner aus den beiden Kirchenkreisen Rubengera in Ruanda und Nahe und Glan in Deutschland, sind wir schockiert angesichts der kriegerischen Aggression, die eine neue Dimension angenommen hat. Jeder Krieg in der Welt bedeutet eine Katastrophe für diejenigen, die unter den Gewaltakten leiden. Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein.

Aus deutscher Sichtweise:
Wenn Christinnen und Christen in einer Partnerschaft von Ruanda nach Deutschland und umgekehrt verbunden sind und gemeinsam einen Friedensappell und einen Ruf zum Gebet vereinbaren, dann ist das nicht nur, weil dieser Krieg schon fast im Zentrum Europas angekommen ist, sondern es ist eher die Furcht vor einem weltweiten Krieg, der zudem mit einer nuklearen Bedrohung den Frieden in der Welt in Frage stellt.

Mit zahlreichen christlichen und internationalen Organisationen rufen wir zum Frieden auf und zur Solidarität mit der Ukraine.

Aus ruandischer Sichtweise:
Es ist undenkbar, dass in der heutigen Zeit die Souveränität eines unabhängigen Staates von einem anderen Staat bedroht wird, aus welchem Grund auch immer, vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, die angesichts eines solch niederträchtigen Aktes machtlos ist.

Wir Ruander, die den Krieg und Genozid im Jahr 1994 erlebt haben, wir wissen nur zu gut, wie viel Leid eine solche Situation für die betroffenen Völker bedeutet. In einigen unserer Gemeinden haben die Gemeindeglieder begonnen, für das ukrainische Volk zu beten, aber auch für all die Menschen, die in irgendeiner Weise von diesem Krieg und dessen Folgen betroffen sind. Wir beten vor allem für ein Ende des Krieges und für eine friedliche Lösung der bestehenden Konflikte. Wir sind solidarisch mit unseren Brüdern und Schwestern, die leiden und die Opfer von Ungerechtigkeit und unmenschlicher Taten geworden sind, mit den Verletzten, den Vertriebenen, den Menschen auf der Flucht, den Geflüchteten, mit all denen, die Angehörige und ihr Hab und Gut verloren haben.

Unsere gemeinsame Botschaft ist ein Aufruf zur Beendigung des Krieges und zur Lösung der Konflikte im Rahmen von Verhandlungen sowie zu einer friedlichen Koexistenz, einem friedlichen Zusammenleben der Völker verschiedener Nationen, unter Wahrung der Ordnung, der Gerechtigkeit und der internationalen Rechte. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Staaten stammen, so sind wir doch Brüder und Schwestern, von Gott als seine Ebenbilder geschaffen.

Also, wollen wir gemeinsam ein Zeichen des Friedens in unserem täglichen Leben setzen und damit unsere Verantwortung ausüben. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass wir Akteure des Friedens schon allein durch das Gebet sein können.

Wir bitten im Gebet zum Beispiel, die Regierenden aufzuklären, ihre Herzen so zu wenden, wie sie vor Gott sein sollten, den Opfern beider Seiten Trost und Halt zu geben und alle zu unterstützen, die Sorge dafür tragen, Frieden und Gerechtigkeit wiederherzustellen. Wir rufen alle Gläubigen in den Gemeinden unserer beiden Kirchenkreise auf, auch für die Rückkehr des Friedens in der Ukraine und für alle Opfer zu beten.

Für Frieden und Gerechtigkeit beten – Ein kurzer Gebetsvorschlag, der den jeweiligen Bedürfnissen vor Ort angepasst werden kann…

„Herr, erbarme Dich!“ Diese Worte kommen uns immer wieder in den Sinn. Von überall her erheben sich die Aufrufe zum Frieden. Zahlreiche internationale christliche Organisationen rufen zum Gebet für Frieden und Solidarität für die Ukraine auf.

Herr, erbarme Dich!

Während ein unerklärter Krieg Europa in Brand setzt, stehen wir mit offenem Mund vor dem Undenkbaren, Unvorstellbaren: der Invasion der Ukraine, eines souveränen Staates.

Herr, erbarme dich!

Während die Aufrufe zur Vernunft, zum Dialog und alle diplomatischen Bemühungen wirkungslos blieben angesichts eines Diktators, der sich in seinen Lügen abschottet, wird die Ukraine angegriffen, ihre Bewohner werden bombardiert und zur Flucht gezwungen.

Herr, erbarme Dich!

Sieh unsere Tränen und unsere Verzweiflung. Höre die Hilferufe der verletzten, mit Trauer erfüllten, gebeutelten, terrorisierten Frauen und Männer. Bringe den Aggressor zur Vernunft, unterstütze die Leidenden.

Herr, erbarme Dich!

(Die Idee für dieses Gebet stammt aus der Vereinten Protestantischen Kirche in Frankreich, https://www.eglise-protestante-unie.fr/actualite/prier-pour-la-paix-et-la-justice-27365)

 

22.03.2022 - Marion Unger