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Keine Schönheitsoperation - Sicherungsarbeiten an der Staudernheimer Kirche

An den Maßwerkfenstern der Staudernheimer Kirche werden die Schäden am Sandstein besonders augenfällig.

Das neue Sandsteinelement für das Maßwerkfenster ist schon fertig. Architekt Claus Götze begutachtet den Einbau.

An den Maßwerkfenstern der Staudernheimer Kirche werden die Schäden am Sandstein besonders augenfällig.

Architekt Claus Götze zeigt den Schaden an der aus Sandstein gefertigten Mittelrippe eines Maßwerkfensters.

Das Gerüst sichert die evangelische Kirche in Staudernheim, damit die schadhaften Sandsteine nicht auf die Straße fallen können.

Staudernheim. Wieder einmal zeigt sich die evangelische Kirche in Staudernheim nicht von ihrer schönsten Seite. Auf dem Gerüst hinter den Sicherheitsblenden tut sich einiges, um das Mauerwerk zu sanieren. „Wir machen hier keine Schönheitsoperation, sondern ausschließlich Sicherungsarbeiten“, stellt Architekt Claus Götze klar. Was zunächst nach einer eher harmlosen Notwendigkeit des Austausches einiger defekter Sandsteine an der Giebelspitze über dem Chor aussah, entpuppte sich als größere Schadenslage. „Das konnte erst festgestellt werden, nachdem das Gerüst stand, um das Mauerwerk intensiver zu untersuchen“, erläutert Götze. „Der Stein ist in seiner Festigkeit zerstört.“

„Der Schreck war ziemlich groß, als das Ausmaß der Schäden klar wurde“, fügt Pfarrer Ralf Anacker hinzu. „Die Steigerung der Kosten für die Sanierung hat das Presbyterium regelrecht schockiert.“ Dennoch führt kein Weg an einer Renovierung – wenn auch nur des Allernötigsten – vorbei. Zu groß ist die Gefahr, dass Steinbrocken auf den vorbeiführenden Gehsteig und die Straße fallen und Menschen gefährden. Darum werden sie mit Edelstahlankern im Mauerwerk gesichert und die Risse verschlossen. „Damit sitzen sie wieder fest und es kann nichts mehr passieren“, erklärt Claus Götze. 

An den Maßwerkfenstern zeigen sich die Schäden besonders deutlich. Hier gilt es, die mittleren Rippen, die Seitengewände und die Maßwerkkrone, den oberen, geschwungenen Abschluss, zu erneuern. Damit die kunstvoll gestalteten Glasfenster dabei heil bleiben, hat sich eine Firma aus Trier, die auf denkmalgeschützte Glaskunst spezialisiert ist, ausgebaut. So können die Steinmetze die einzelnen Elemente von außen bearbeiten und erneuern. Lediglich die Chorfenster bleiben an Ort und Stelle. Sie sind so fest im Mauerwerk verankert, dass beim Ausbau Beschädigung droht. An den Maßwerkfenstern treffen Metallverstrebungen auf Stein. Um hier eine dauerhafte Verbindung zu schaffen, greifen die Handwerker auf eine Jahrhunderte alte Technik zurück und verwenden Bleiwolle. 

Zum Verhängnis wurden der Staudernheimer Kirche Renovierungspraktiken aus den 1950-er und 60-er Jahren. Der damals verwendet harte Betonputz führte zur Zerstörung des Sandsteins. Heute greift man auf die alten Techniken und Materialien zurück und kombiniert sie mit neuen Methoden, etwa den Steinzuschnitt mit computergesteuerten Geräten. 

Die Steigerung der Kosten für die Kirchenrenovierung treibt dem Presbyterium Sorgenfalten auf die Stirn, auch wenn damit die Garantie verbunden ist, dass die Kirche im Ort erhalten bleibt. „Das Presbyterium war der Ansicht, dass die Kirche nach der Turmrenovierung in gutem Zustand sei, doch es kam anders“, resümiert Pfarrer Anacker. Zunächst waren für die weitere Renovierung rund 108 000 Euro veranschlagt. Doch die Schadensaufnahme ergab eine andere Summe: mehr als 43 000 Euro an zusätzlichem Aufwand. Der Kirchenkreis An Nahe und Glan hat dafür einen Zuschuss von 55 000 Euro zugesagt. „Trotzdem kommt die Gemeinde damit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, stellt Anacker fest. Stück für Stück wird nun das Gerüst abgebaut. Noch vor Weihnachten, so lautet die hoffnungsvolle Prognose, sollen die Arbeiten zu einem Ende kommen. 

Die Mehrkosten der Kirchensanierung stellen für die Gemeinde eine große Belastung dar. Darum wird um Spenden auf das folgende Konto gebeten: Bank für Kirche und Diakonie IBAN: DE80 3506 0190 63 33 26 30 07, BLZ 350 601 90, Konto 6333263007, Verwendungszweck: Spende für Kirche Staudernheim.

18.11.2021 - Marion Unger