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Gemeinsam bewegt auf verschiedenen Wegen - Festgottesdienst zum ökumenischen Kirchenjubiläum

Präses i. R. Manfred Rekowski stellte die Wege der beiden Kirchengemeinden in den Mittelpunkt seiner Predigt im Festgottesdienst zum ökumenischen Kirchenjubiläum in Staudernheim. (Foto: Marion Unger)

Mit einer „Beziehungskiste“ bedankte sich Marion Unger im Namen des Presbyteriums bei Manfred Rekowski für seine Predigt im ökumenischen Festgottesdienst. (Foto: Marion Unger)

Staudernheim. Ein Festgottesdienst in der evangelischen Kirche bildete den Auftakt zum ökumenischen Kirchenjubiläum in Staudernheim. Christinnen und Christen feiern in ökumenischer Verbundenheit zwei bedeutende Jahrestage ihrer Gotteshäuser: Die katholische Kirche wurde im vergangenen Jahr 250 Jahre alt, die evangelische blickt in diesem Jahr auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Beide Gemeinden hatten sich die Gestaltung der Geburtstage ihrer Gotteshäuser anders vorgestellt, doch Corona machte ihre Pläne zunichte. Gottesdienst zu feiern, wollte man sich jedoch nicht nehmen lassen. 

So gestalteten Pfarrer Ralf Anacker und sein katholischer Kollege Hans-Jürgen Eck gemeinsam die Liturgie und Manfred Rekowski, Präses i. R. der Evangelischen Kirche im Rheinland, hielt die Predigt. Rekowski griff das Motto des Kirchenjubiläums auf: „Wohin der Weg uns führt – Christi Liebe bewegt“. Er verknüpfte damit drängende Fragen, die beide Gemeinden in Zeiten der Umbrüche und der Unsicherheit derzeit bewegen. Weder die katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer noch die evangelische Kirchengemeinde wird es aufgrund von Umstrukturierungen im Bistum Trier sowie wegen einer bevorstehenden Fusion vom kommenden Jahr an in dieser Form noch geben. 

„Das Evangelium - die Mensch gewordene Liebe Gottes - rettet, das Evangelium - Christi Liebe - macht uns Mut zum unverschämten, freimütigen Bekennen - es wirkt und bewegt“, betonte Rekowski und schlug eine Brücke zu einer Passage aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. Dort wird das Evangelium als eine Kraft Gottes beschrieben, die selig macht. Den Begriff „unverschämt“ interpretierte er nach dem Wortsinn als Aufforderung, sich ohne Scham zum Evangelium zu bekennen. Dieses öffne ein Tor aus aller Angst und Enge. „Das Evangelium ist Hoffnung für die Armen, Freispruch für in Schuld und Verhängnis Verstrickte, neue Sicht für Schwarzseher und Kurzsichtige, Heilwerden für Kaputte, Ausrufen von Schulderlass und Möglichkeit zu Neuanfängen“, erklärte der Präses und resümierte: „So werden Menschen bewegt und dazu führt die Liebe Christi.“ 

In seine Fürbitten am Ende des Gottesdienstes schloss Pfarrer Ralf Anacker das dritte Gotteshaus im Ort, die ehemalige Synagoge der einstigen jüdischen Gemeinde, ein. Bevor Pfarrer Hans-Jürgen Eck zum zweiten ökumenischen Gottesdienst im Rahmen des Jubiläums, am Sonntag, 27. Juni, in die katholische Kirche einlud, rundeten die beiden „Schnoogefänger“ Ernst Pulg (Akkordeon) und Michael Kaufmann (Gesang) den Gottesdienst mit einem von Erich Fett neu getexteten Ökumene-Lied „400 Jahre“ ab. 

150 Jahre evangelische Kirche Staudernheim

Eine Orgelvariation von Musikdirektorin Helga Helfenstein und ein Sologesang von Susanne Dech-Martin zu „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ stimmten auf den Gottesdienst ein. In der Burg Gottes soll sich die Gemeinde geborgen fühlen. Dieses Empfinden setzte der Kirchenmaler Reinhold Ebeling optisch mit angedeuteten Steinen an den Wänden in Szene, als er 1902 den Innenraum der im neugotischen Stil erbauten Kirche mit einer farbenfrohen Bemalung ausstattete. 1955 wurden die floralen Motive jedoch komplett entfernt. 

1993 stellte eine umfangreiche Innenrenovierung die alte Pracht vom Anfang des 20. Jahrhunderts wieder her. Sie brachte das opulente Pflanzendekor aus Mariendisteln erneut zum Vorschein. Die Heilpflanze soll ein Stück Garten Eden für die Gläubigen sichtbar machen und an die Heilkraft des Paradieses erinnern. Die Motive stellen auch eine Verbindung zur „Grünkraft“ her, wie sie Hildegard von Bingen auf dem Disibodenberg beschrieben hat. 

Im Chor, nach gotischem Vorbild als Rippengewölbe gestaltet, findet sich diese Symbolik wieder. Hier beherrscht eine Vorhangmalerei den Raum. Der Faltenwurf verläuft hinter dem Altar und gibt in Anlehnung an die neutestamentliche Botschaft den Blick frei auf das Allerheiligste. So wird symbolisiert, dass Gott nicht länger von den Menschen getrennt ist.

Der ökumenische Gottesdienst ist auf youtube unter „Ev. Kirchengemeinde Staudernheim“ sowie auf der Website www.kgm-sobernheim zu sehen. 

01.06.2021 - Marion Unger