GOTTESDIENSTE

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ERWACHSENENBILDUNG

ERWACHSENENBILDUNG
Vielfältige Angebote zu Bildung und Spiritualität macht Ihnen das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd e.V. in Simmern.

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage!

Im Hohenlied spricht die Liebende zu ihrem Geliebten in Bildern, die uns modernen Menschen auf den ersten Blick fremd sind. Umso reizvoller ist es, ihnen nachzusinnen.
Ein Siegel benutze ich, um kirchliche Urkunden zu siegeln. Ansonsten ist es gut weggeschlossen.
Zur Zeit des Alten Testaments dienten Siegel dazu, um Besitzverhältnisse zu dokumentieren: Sie wurden z.B. in die Henkel von Vorratskrügen eingedrückt, um anzuzeigen, wem der Wein, das Öl, das Getreide gehört. Oder man hängte sie, in Ton gepresst, an die Schrifttafeln von Urkunden. Die Siegel waren aufwändig gestaltet, in edle Steine geschnitten, mit Text und Bild. Also wertvoll. Man trug sie an einer Lederschnur um den Hals, als Siegelring oder wie ein Armband.
Die Liebeslyrik des Hohenliedes beschreibt mit dem Bild des Siegels auf dem Herzen und dem Arm die Nähe und die enge Verbindung der Liebenden zu einander: Die Liebe wird besiegelt. Man ist sich ganz nah.
Das Hohelied Salomos schildert aber nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen in wunderbaren poetischen Bildern. Es spricht in seiner sehr weltlichen Bildsprache auch von der Liebe Gottes zu den Menschen, die er geschaffen hat.
Gottes Verhältnis zu den Menschen ist ein Liebesverhältnis, geprägt von Gegenseitigkeit und Vertrauen. Gott wirbt um unsere Liebe; das Versprechen seiner Liebe können wir auf dem Herzen tragen. Im Bild des Hohenliedes: Gott legt uns sein Siegel auf. Das heißt: Er bindet sich an uns, er gibt uns Brief und Siegel darauf, dass seine Liebe zu uns unverbrüchlich ist.
Warum? Weil die Liebe stark ist wie der Tod, lesen wir hier. Das befremdet. Liebe und Tod in dieser Zusammenschau, das klingt nach dem romantischen Opernklischee vom Liebestod oder nach sentimental-kitschigen Filmen.
Wir können diesen Satz als Christen aber noch ganz anders lesen: Wenn wir uns darauf besinnen, dass Gottes Liebe zu uns in Jesus Christus ganz konkret Gestalt angenommen hat. Da ist diese besondere Art, mit der Jesus auf Menschen zugegangen ist: Auf den blinden Bartimäus, auf Zachäus, den Zöllner, mit dem niemand was zu tun haben wollte. Da ist diese Zuwendung, die er den Benachteiligten und Schwachen und denen am Rande der Gesellschaft geschenkt hat. Da sind diese wunderbaren Erzählungen und Bilder vom Reich Gottes, die uns Lust machen auf ein Leben mit Gott und in seiner Welt.
So handgreiflich, so konkret und so menschenfreundlich ist Gottes Liebe.
Und sie ist stark wie der Tod: Denn auch diese finsterste aller Realitäten teilt Gott mit uns. Zunächst scheint es, als sei der Tod stärker als die Liebe. Das Kreuz ist alles andere als ein Lebens– oder Liebeszeichen. In Jesus Christus erleidet Gott tatsächlich, was wir alle erleiden werden: Die Liebe ist sterblich und wird in ein Grab gelegt. Aber diese Liebe Gottes ist eine ganz besondere, außergewöhnliche Macht. Sie setzt sich eben nicht mit Nachdruck und Gewalt durch, wie wir es gerade mit fürchterlichen Beispielen vor Augen haben.
Die Liebe Gottes geht einen anderen Weg. Sie geht den Weg der Sanftmut und der Besonnenheit, der Hingabe, wenn sie uns begleitet und sich uns zuwendet. So unspektakulär setzt sich Gottes Liebe durch: Am Kreuz und durch das Grab hindurch und am Ende ist sie dann doch: Stärker als der Tod!
Ich glaube, die Liebe Gottes ist stärker als alle Mächte und Gewalten, denen wir in dieser Welt begegnen. Denn aus Liebe hat Gott die Welt geschaffen. Jesus Christus hat durch seine Liebe die Menschen mit Gott versöhnt und wird alle Verletzungen unseres Lebens heilen. Das hat Gott uns zugesagt: Mit Siegeln verbrieft auf Herz und Arm. Dafür steht Gott ein. Wenn wir ihm vertrauen, werden wir erleben: Gottes Liebe ist stärker als der Tod!
Ich wünsche Ihnen ein gesegnete und erholsame Sommerzeit. Bleiben Sie gesund und von Gott behütet!

Ihr Pfarrer Christoph Hüther