GOTTESDIENSTE

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ÖKUMENE

In unserer Gemeinde ist uns die Ökumene mit unserer katholischen Schwestergemeinde wichtig!
Wir laden Sie herzlich zu unseren ökumenischen Veranstaltungen ein. Hier finden Sie die Termine:
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Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage!

am 15. März haben wir zum letzten Mal vor Beginn des coronabedingten »Shutdown« von Kirche und Gesellschaft miteinander einen Gottesdienst gefeiert – knapp drei Monate später, am 7. Juni, dem Trinitatisfest, konnten wir uns wieder zu den ersten Gottesdiensten versammeln. Es war ein bewegendes Erlebnis, ausgerechnet an dem Sonntag wieder Gottesdienst zu feiern, der der Dreieinigkeit – manche sagen auch: Dreifaltigkeit – von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist gewidmet ist. Ein kleines Stück Normalität ist damit wieder in unser Gemeindeleben zurückgekehrt. Normalität aber, die ganz anders aussieht als vor der Corona-Pandemie. Normalität, die sich noch nicht auf die anderen Bereiche unseres Gemeindelebens erstreckt: Unsere Gemeindehäuser bleiben weiterhin geschlossen, für unsere eigenen Gemeindegruppen, aber auch für andere Gruppen und private Feiern, denen wir unsere Häuser eigentlich gerne zur Verfügung stellen. Das geht jetzt noch nicht.
Immerhin: Die Gemeindebücherei in Waldalgesheim ist wieder geöffnet. Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden haben wir uns bereits im Juni getroffen und hoffen auf ein gesundes Wiedersehen im August. Aber: Ob unsere Kirchenchöre in diesem Jahr irgendwann wieder proben oder gar auftreten dürfen, das kann derzeit noch niemand sagen. Prognosen verbieten sich, sicher ist nur: Erst muss die Ansteckungsgefahr so weit wie möglichverringert sein. Solange wird es keine Rückkehr zum Leben der Vor-Corona-Zeit geben.
Das alles konnten wir im März noch nicht wissen, aber schon damals ahnten wir ganz langsam, was auf unser Leben und unsere Gesellschaft und Wirtschaft zukommen würde. Was aber die »soziale Distanz«, zu der wir aufgerufen wurden, und das nahezu völlige Stillstehen des öffentlichen Lebens und die Einschränkungen im privaten Leben dann wirklich für jeden von uns bedeuten würde, wusste damals noch kaum jemand.
Kluge und meist nachvollziehbare politische Entscheidungen haben dazu beigetragen, dass die Coronavirus-Pandemie bislang in unserem Land nicht solche katastrophalen Folgen hatte wie in anderen Ländern. In unseren Gedanken und unseren Gebeten sind wir bei allen Menschen hier und anderswo, die um liebe Menschen trauern und die sich jetzt viele Fragen stellen, auf die es keine Antworten geben wird; sei es, weil niemand beantworten will, warum zum Beispiel die Vorsorge und die Gesundheitssysteme in vielen reichen Ländern versagten; sei es, weil es auf die Frage: »Warum wird dieser Mensch krank und stirbt und jener nicht« tatsächlich keine Antwort gibt. Die Gottesferne müssen wir aushalten.
Als Kirche und in unseren Gemeinden sind wir den Weg der Politik und der Gesellschaft mitgegangen, haben auf Gottesdienste verzichtet und unser Gemeindeleben eingestellt. Das das war richtig. Wir haben Verantwortung füreinander wahrgenommen und so haben wir Nächstenliebe gelebt und praktiziert. Denn auch das ist Nächstenliebe: Unseren Nächsten, den uns anvertrauten Menschen, nicht unnötig zu gefährden.
Wir mussten lernen, die gebotene physische Distanz zu wahren. Zugleich haben wir versucht, uns sozial nahe zu bleiben, Kontakt zu halten und der Vereinsamung vorzubeugen. In unserer Gemeinde wurde viel mehr telefoniert als sonst. Nachbarschaften organisierten sich und erledigten Einkäufe und andere Gänge für Senioren und Menschen aus Risikogruppen. Man achtete aufeinander, ganz anders als früher gewohnt. Alles mit Abstand und Mundschutz. Viele Menschen erzählen mir, dass sie in den Gesprächen und wenigen Begegnungen in dieser Zeit mehr Nähe gespürt haben als sonst.
Wir konnten die ganze Zeit über unseren Glauben leben. Konnten beten. Konnten in der Bibel lesen. Konnten ab Ostern in Waldalgesheim und Münster-Sarmsheim an den Kirchen kleine Andachten von den dort aufgespannten Wäscheleinen mitnehmen, sozusagen Gottesdienst »OnLeine«. Die kann man übrigens auf unserer Homepage nachlesen.
Vor allem aber konnten wir für unseren Nächsten da sein. In Gedanken und auch in Werken. Einiges habe ich genannt. Deshalb ist es Unsinn, im Zusammenhang mit den Beschränkungen von einer Einschränkung der Religionsfreiheit zu reden, wie aus manchen Kreisen zu hören war.
Trotzdem war es natürlich für viele eine Anfechtung, gerade am Gründonnerstag und am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu nicht gemeinsam gedenken zu können und nicht miteinander das Heilige Abendmahl zu feiern. In dieser Stunde tiefster Gottverlassenheit allein zu sein ist schlimm.
Da hat es gut getan, als auf einmal am Ostersonntag und am Pfingstsonntag dreißig, vierzig Menschen vor unserer Waldalgesheimer Kirche standen (mit Abstand und Mundschutz!) und den Orgelchorälen lauschten, die Musikdirektor Ackva aus den weit geöffneten Fenstern und Türen ertönen ließ und mit denen er unsere Herzen erfreute. Die Osterfreude durchdringt die Finsternis der Zeit und schenkt uns neuen Mut. Der Geist von Pfingsten weht durch alle Welt und schenkt Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft dürfen wir nun auch wieder im Gottesdienst erfahren. Die Umstände sind merkwürdig und etwas befremdlich. Die Mund-Nasen-Bedeckung stört, aber sie muss sein. Die Prozedur, bis man die Kirche betreten kann: gewöhnungsbedürftig. Aber das ist es eben: Wir werden uns daran gewöhnen. Wir werden unsere Gottesdienste einfach anders feiern. Gottesdienste sind es trotzdem. Nicht singen zu dürfen ist vermutlich die größte Herausforderung: Denn was ist ein Gottesdienst ohne das gesungene Gotteslob? Aber vielleicht liegt auch darin eine Chance: Wenn wir die Choräle nicht singen, sondern einfach nur auf die reich verzierte Melodie hören und dann den Text mitlesen, mitbeten – dann können sich die Worte in unseren Herzen noch einmal ganz anders entfalten. Lassen Sie sich darauf ein!
Die Hauptsache ist: Gott ist bei uns. Sein Geist ist um uns. Auch und gerade in diesen Tagen. Aus seinem Wort schöpfen wir Kraft, es ist eine Speise für unsere Seele. Der Monatsspruch für den Juli bringt das wunderbar auf den Punkt. Gott schenkt uns Geduld und Ausdauer in diesen wahrhaft merkwürdigen Zeiten, von denen wir nicht wissen, wie lange sie noch dauern werden: »Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir« (1.Könige 19,7).
Herzlich grüßt Sie
Ihr Pfarrer Christoph Hüther