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Hilfe für Nour Almohamed

Bad Kreuznach. Seit mehr als drei Jahren ist die achtköpfige syrische Familie Almohamed aus der Stadt Deir ez-Zor auf der Flucht, nachdem am 03.11.2014 durch einen Raketenangriff das Haus der Familie zerstört wurde. Im Zuge des damaligen Bombardements verlor Nour Almohamed ihren Arm. Der ganzen Familie gelang nach dieser Tragödie, die Flucht in die Türkei. Dort mussten die Schwester und deren Eltern allerdings zurückbleiben, weil eine Überfahrt für die schwerbehinderte Frau zu gefährlich gewesen wäre. Der Rest der Familie schaffte es nach Deutschland und es gelang der Familie mit Unterstützung durch eine Freundin tatsächlich eines der seltenen Visa für Härtefälle für die Schwester zu erlangen. Allerdings muss in diesen Härtefällen, die Familie den Unterhalt für die versehrte Schwester komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. Für die Familie trotz aller Bemühungen nicht darstellbar – monatlich fehlen ca. 500€. 

Gerade im Alltag fehlen die Eltern. Täglich kommuniziert der Fünfzehnjährige Sohn Ryad mit seinen Eltern und seiner Schwester über einen Videochat. „Im Alltag ist es schwer ohne Eltern. Mein Bruder kümmert sich zwar um mich so gut er kann, es ist aber nicht das Gleiche, wie wenn meine Mutter oder mein Vater hier wäre.“  Momentan besucht er die 8. Klasse des Gymnasiums Am Römerkastell besucht. Besonders die alltäglichen Gespräche mit seinen Freunden sind für ihn besonders schwer, weil ihm immer wieder die schmerzhafte Trennung  von seinen Eltern vor Augen geführt wird. Die Eltern dürften zwar im Zuge des Familiennachzugs zu ihm nachziehen, wollen aber die schwer verletzte Schwester nicht alleine im Flüchtlingslager des UNHCR nahe der syrischen Grenze zurücklassen.

Elternersatz und Kopf in der Familie ist der dreißigjährige Mohamad, der momentan einen Deutschkurs absolviert und danach eine  Anerkennungsmaßnahme zum Physiotherapeuten durchlaufen wird. In diesem Beruf hat er auch in Syrien gearbeitet. Da es in Syrien immer mehr an Ärzten in den Krankenhäusern fehlt, musste er dort als Arzt arbeiten. So hört er im Krankenhaus zum ersten Mal von dem Angriff auf das Dorf seiner Schwester: „Als ich im Krankenhaus arbeitete, erfuhr ich zum ersten Mal von dem Bombenangriff auf mein Heimatdorf. Eigentlich galt dieses Dorf als besonders sicher. Noch nie war es durch Bomben attackiert worden. Nachdem man mir von diesem Angriff erzählt hatte, fuhr ich direkt zum Haus meiner Schwester. Dort traf ich auf meine Mutter, die zwar schwer verletzt, aber am Leben war. Meine Schwester, so wurde mir es mitgeteilt, wäre allerdings tot. Verzweifelt bin ich danach die Krankenhäuser in der Region abgefahren und fand meine Schwester zum Glück in einem dieser Krankenhäuser.“ 

Mit dem Auffinden seiner Schwester endet das Schreckensszenario jedoch nicht. Mohamed, der ausgebildete Physiotherapeut, muss auch in diesem Krankenhaus bei der lebensrettenden Operation helfen. Die Operation läuft zum Glück erfolgreich, seine Schwester ist aber immer noch in Lebensgefahr. Durch die schwere Verletzung hat sie nicht nur ihren Arm, sondern auch sehr viel Blut verloren. Ein großes Problem in Syrien. In dem, durch den langjährigen Bürgerkrieg schwer gebeutelten Land, sind Blutkonserven - durch die alltägliche Ausnahmesituation in den Krankenhäusern - chronisch knapp. Zum Glück hat Mohamed die selbe Blutsgruppe wie seine Schwester Nour, so dass er ihr sein eigenes Blut spenden kann.  Seine Schwester kann damit gerettet werden.

Nachdem seine Schwester nach einem Monat das Krankenhaus verlassen kann, flieht die Familie in die Türkei. Mohamed jedoch bleibt. „In Syrien fehlt es überall an Ärzten. Ich konnte die Menschen nicht zurücklassen.“ So arbeitet er weiter im Krankenhaus, bis der IS in Deir el-Zor einmarschiert. Er wird aufgefordert sich in den Dienst des IS zu stellen. Nun flieht auch Mohamed in die Türkei, zu seiner Familie.

Dort fasst er aber nach drei Tagen den Entschluss weiterzuziehen, weil er dort nicht als Physiotherapeut arbeiten kann. Außerdem will er nach den Jahren im Krieg endlich wieder in einem Land leben das Menschen wie Menschen behandelt.  Egal welche Nation, Hautfarbe oder Religion man hat. Das Ziel ist Deutschland.

In Deutschland angekommen, wird er nach Rüdesheim verlegt. Dort trifft er zufällig Sabine Wusterhausen. Die Frau hat zu der Zeit ein gebrochenes Bein. Als gelernter Physiotherapeut bietet Mohamed seine Hilfe an. Aus der Zufallsbekanntschaft wird ein regelmäßiges Treffen am Montag und mit der Zeit Freundschaft:„ Mittlerweile sind die Familien befreundet. Geburtstage werden schon lange gemeinsam gefeiert. Dieses Jahr haben wir sogar Weihnachten gemeinsam verbracht.“ 

Durch die Freundschaft mit der Familie unterstützt Sabine Wusterhausen die Familie. Sie stellt fest, dass es ohne ihre Unterstützung der Familie nur schwer möglich gewesen wäre alles zu erreichen. „Alleine ist ein Härtefall (fast) nicht zu stemmen.“

Die Hilfe, die Frau Wusterhausen durch eine zufällige Begegnung leistet, ist für Siegfried Pick, seit 30 Jahren als Pfarramt für Ausländerarbeit, nicht hoch genug zu schätzen: „Es ist toll und wichtig, dass sich die Leute spontan aus der Situation heraus für Flüchtlinge einsetzen. Deswegen läuft die Integration in unserem Landkreis auch so gut.“

Doch auch mit der Hilfe von Frau Wusterhausen ist es nahezu unmöglich die Schwester nachzuholen. Zu hoch ist die finanzielle Belastung, die auf die Familie zukommt. Eine Genehmigung des Härtefalls reicht nämlich nicht aus. Die Person, die den Härtefall nach Deutschland holt, muss sich für fünf Jahre verpflichten, den kompletten Unterhalt der nachziehenden Person selbst zu finanzieren. Für die meisten Flüchtlinge eine zu hohe Hürde, auch deswegen kamen 2017 nur 80 Personen über die Härtefallregelung nach Deutschland.

In dieser Situation hat sich die Familie zunächst an Pfarrer Siegfried Pick gewandt und um Unterstützung gebeten. Das die Familie vom Kirchenkreis An Nahe und Glan unterstützt wird begründet Astrid Peekhaus, Superintendentin des Kirchenkreises: „Aus christlicher Sicht gehören Familien zusammen. Außerdem verlangt es die christliche Nächstenliebe, Menschen, die in Not sind, zu helfen. Deswegen stand es für uns außerfrage die Familie zu unterstützen.“

Jedoch reicht auch die Unterstützung durch den Kirchenkreis nicht aus, um den Härtefall in vollem Umfang zu gewährleisten. Dadurch wendet sich die Familie an die Öffentlichkeit und bittet um Spenden für die schwer verletzte Tochter, um ihren Lebensunterhalt und Krankenversicherung hier in Deutschland finanzieren zu können.

Spendenkonto:

Ev. Verwaltungsamt - Konto Nummer: 75, Sparkasse Rhein-Nahe, Bankleitzahl: 560 510 80 - IBAN: DE24 5605 0180 0000 0000 75 – BIC: MALADE51KRE -  „Hilfe für Nour Almohamed“ - Spendenbescheinigungen werden ausgestellt.

Für eventuelle Nachfragen steht Pfarrer Siegfried Pick (Tel.: 0671/8459152) gerne zur Verfügung.

 

16.02.2018 - Philipp Bauhaus