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Chancen und Herausforderungen im Alltag mit Muslimen - Synode diskutiert über ein Konzept des Dialogs

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung warb auf der Synode des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan für Dialog und Begegnung mit Muslimen.

Bad Sobernheim. Chancen und Herausforderungen, die sich für einzelne Christen und für Kirchengemeinden aus der wachsenden Zuwanderung von Muslimen ergeben, diskutierte die Synode des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan auf ihrer Frühjahrstagung in Bad Sobernheim. Einen Impuls dazu gab Pfarrer Wolfgang Hüllstrung aus Koblenz.

In größeren Städten des Kirchenkreises wie Bad Kreuznach oder Kirn leben Muslime schon lange Haus an Haus mit Christen, manche von ihnen bereits seit mehreren Generationen. Im Zustrom von geflüchteten Menschen kommen immer mehr von ihnen nach Deutschland und beanspruchen einen Platz in der Gesellschaft, jetzt auch in den kleineren Dörfern. In manchen Kitas sind Kinder aus christlichen Familien bereits in der Minderheit, an den Schulen wird die Möglichkeit eines konfessionellen islamischen Religionsunterrichts diskutiert, in den diakonischen Einrichtungen wird die Hinwendung zum Menschen ohne Ansehen von Religionszugehörigkeit praktiziert. Auch die Krankenhaus- oder die Notfallseelsorge verändert sich mit dem Zuzug von Muslimen.

Diese Tatsachen beschrieb Wolfgang Hüllstrung als Herausforderungen im Umgang der Religionen miteinander im Kindergarten, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Als Pfarrer in einem – nach eigener Aussage – „Multi-kulti-Quartier mit sechs Moscheen“  konnte er von vielfältigen Erfahrungen im Dialog mit Muslimen berichten. Er stellte eine Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland vor, die Gemeinden zu Diskussion über das Thema Zusammenleben mit Muslimen anregen soll. „In der Freiheit des Glaubens nehmen wir diese Herausforderungen an“, betonte Hüllstrung. Er rief dazu auf, im kulturellen, sozialen und politischen Bereich ein Konzept des Dialogs zu entwickeln. Daraus ergeben sich Chancen, über den eigenen Glauben noch einmal grundsätzlich nachzudenken, alte Gewohnheiten und Traditionen aufzubrechen und den Blick zu weiten für neue Erfahrungen und Perspektiven. Christen und Muslime könnten zusammen eine Hilfsgemeinschaft, eine Lebensgemeinschaft und eine Festgemeinschaft gründen und gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eintreten. Dazu brauche es Gelegenheit, einander zu begegnen, miteinander zu feiern und gemeinsam Projekte anzustoßen.

Auf 30 Jahre Erfahrung mit Muslimen kann das Ausländerpfarramt des Kirchenkreises zurückblicken. Bisher sei der Islam etwa im Stadtbild von Bad Kreuznach nicht besonders stark in Erscheinung getreten, obwohl es dort fünf Gebetshäuser gebe, erklärte Ausländerpfarrer Siegfried Pick. Diese seien jedoch kaum erkennbar gewesen. „Demnächst soll erstmals eine Moschee gebaut werden, die auch deutlich als Gotteshaus erkennbar ist“, kündigte Pick an und meinte: „Das zwingt uns zu einer Positionierung.“

In verschiedenen Arbeitsgruppen diskutierten die Synodalen über ihre Erfahrungen im Umgang mit Muslimen. Für ein gelingendes Miteinander wurde unter anderem der Wunsch formuliert, man möge sprachfähiger werden im eigenen Glauben, denn der Islam werde von Muslimen oft viel intensiver gelebt als das Christentum von einer immer stärker weltlich geprägten Gesellschaft.

11.06.2016 – Marion Unger