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Jüdisches Gotteshaus lebt weiter – Präses Rekowski besucht die Bücherei in Bad Sobernheim

Bei seinem Besuch der Bücherei im Kulturhaus Synagoge sprach Präses Manfred Rekowski (Mitte) dem Team Dank und Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement aus. Von links: Das Pfarrerehepaar Scholtheis-Wenzel, Lena Mehrgans, Mia Hildebrandt, Jürgen Pietzsch, Beigeordneter Alois Bruckmeier, Elke Zedlitz, Agnes Gewehr, Claudia Engelmann und Hans Eberhard Berkemann.

Einblick in die Medien des Projekts „Sprachräume“ verschaffte sich Präses Rekowski mit Erläuterungen von Elke Zedlitz und Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel (rechts).

Vor der einstigen Thora-Nische der Bad Sobernheimer Synagoge informierten Hans Eberhard Berkemann (links) und Pfarrer Christian Wenzel (Mitte) den Präses über die bewegte Geschichte des jüdischen Gotteshauses.

Bad Sobernheim. Bei seinem Besuch im Kirchenkreis An Nahe und Glan machte Präses Manfred Rekowski auch Station in Bad Sobernheim, wo er die öffentliche Bücherei im Kulturhaus Synagoge besuchte. Die Bibliothek wird von der Stadt und der Kirchengemeinde gemeinsam getragen. 

„Ein toller Ort mit einer außerordentlichen Geschichte und besonderer Atmosphäre.“ Mit diesen Worten fasste der Präses seine Eindrücke vom Treffen mit dem Team der Bücherei zusammen. Er würdigte die gute Zusammenarbeit von Kirchengemeinde und Stadt, mit der es gelungen sei, ein ehemaliges jüdisches Gotteshaus nicht nur zu erhalten, sondern auch neu mit Leben zu füllen. 

Die ehrenamtlich Mitarbeitenden aus der Kirchengemeinde präsentierten dem leitenden Theologen der rheinischen Kirche den Medienbestand und erläuterten das Angebot „Sprachräume“, das sich an Menschen mit Migrationshintergrund richtet. Besonders geschulte Lesepaten nehmen zusammen mit Flüchtlingen Bücher zur Hand und vermitteln durch Vorlesen und Erläuterungen deutsche Sprache und Kultur. „Die Paten üben mit Kindern und Erwachsenen, Deutsch zu sprechen“, erläuterte Elke Zedlitz, Leiterin des ehrenamtlichen Büchereiteams, das Konzept. „Es kommen vor allem viele Kinder und Frauen, aber auch ganze Familien in die Bücherei.“

Dafür schaffte das Team mehr als hundert zusätzliche Medien an: Bilderbücher, mehrsprachige Bücher, Bildwörterbücher, Wörterbücher, Romane in einfacher Sprache, Materialien für Deutschkurse, CDs und Lernspiele. Hilfe bei der Zusammenstellung leistete Helga Schwarze von der Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland. Eine Auswahl steht zudem in Kisten verpackt zur Ausleihe für Kindergärten, Schulen oder Sprachkurse bereit. Ihr Inhalt ist nach Zielgruppen vom Kindergartenkind bis zum jungen Erwachsenen unterschiedlich zusammengestellt und soll Flüchtlingsfamilien die Integration erleichtern. 

„Das Projekt ist stark mit der Flüchtlingsarbeit der Gemeinde vernetzt“, erläuterte Pfarrerin Ulrike Scholtheis-Wenzel. Mit dem „Café International“, einem Treffpunkt von Flüchtlingen und ehrenamtlich engagierten Gemeindegliedern sowie einem breiten Angebot von Sprachkursen bildet Bad Sobernheim einen Schwerpunkt der Integrationsarbeit im Kirchenkreis, unterstützt vom Pfarramt für Ausländerarbeit in Bad Kreuznach. 

„Das Buch ist offensichtlich kein Auslaufmodell“, stellte Präses Rekowski fest, nachdem Elke Zedlitz nicht ohne Stolz über den starken Zuspruch der Bibliothek berichtet hatte. 6 500 Medien stehen in den Regalen. „Wir haben fast 1 800 Leser in unserer Kartei und die Medien wurden 16 000 Mal verliehen“, fasste Elke Zedlitz die Bilanz des vergangenen Jahres zusammen. Unter den 15 000 Besuchern 2016 waren nicht nur Literaturbegeisterte, sondern auch Menschen, die sich für die Geschichte der Synagoge interessierten, immer wieder auch Nachfahren von Sobernheimer jüdischen Familien. 

Über die Geschichte des Gebäudes hatten zuvor Hans Eberhard Berkemann und Pfarrer Christian Wenzel berichtet. Das einstige jüdische Gotteshaus wäre 1981 um ein Haar einem Straßenbauprojekt zum Opfer gefallen. Durch das Engagement der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie geschichtsbewusster Bürger in einem Förderverein gelang es jedoch, das Haus unter Schutz zu stellen. Jahrzehnte lang diente es als Möbel- und Getränkelager eines benachbarten Supermarkts, bis es in den Besitz der Stadt Bad Sobernheim überging. Heute ist es wieder als ehemaliges jüdisches Gotteshaus erkennbar. Davon zeugt unter anderem der Davidstern auf dem Dach.

„Wir wollten nicht, dass die Synagoge ein Museum wird“, betonte Hans Eberhard Berkemann, langjähriger Vorsitzender des Fördervereins. „Möglichst viele Menschen sollten möglichst oft hier ein und ausgehen und das ist mit der Bücherei auch gelungen.“ Mit erheblichen Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz renovierte die Kommune das Gebäude. Es erhielt im Innenraum eine Stützkonstruktion, die gleichzeitig als Regalsystem für die Bücher dient. Stadtbeigeordneter Alois Bruckmeier lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kirchengemeinde, die es möglich gemacht habe, dass die Synagoge als Kulturhaus geschätzt werde.  

„Es ist großartig, dass es gelungen ist, die Synagoge zu erhalten“, erklärte Präses Rekowski. „Zu sehen, wie das Haus belebt und erfüllt ist, ist ausgesprochen beeindruckend.“ Die Bücherei sei ein ganz wichtiges Angebot für eine Stadt wie Bad Sobernheim. Sie zu fördern gehöre zum Bildungsauftrag der evangelischen Kirche. „Ein herzlicher Dank gebührt dem hohen Engagement des ehrenamtlichen Teams“, betonte der Präses. 

 

12.09.2017- mu