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Talk mit Tiefgang – Präses Rekowski in der Sobernheimer Runde

In der Sobernheimer Runde gab Manfred Rekowski (rechts), Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, im Gespräch mit Gerhard Engbarth freimütig Einblicke in seine Biografie, seinen christlichen Glauben und seine Liebe zum Pfarrberuf.

Bad Sobernheim. Gerhard Engbarth, Moderator, Musiker und Geschichtenerzähler hatte in seiner Sobernheimer Runde einen prominenten Gast: Präses Manfred Rekowski stand ihm und rund 50 Zuhörern Rede und Antwort über sein Leben, seinen Glauben und sein Leitungshandeln. Das Publikum erlebte eine Talkrunde mit Tiefgang. 

Die 92. Sobernheimer Runde war für beide eine Premiere: Für Gerhard Engbarth, weil er seinen Gast vorher nicht persönlich kannte, und für Manfred Rekowski, weil eine Plauderei über die eigene Biografie nicht zu seinem Alltagsgeschäft gehört. Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass der ansonsten versierte Moderator anfangs etwas nervös wirkte. Er hatte sogar sein bestes Hochdeutsch ausgepackt, um mit dem leitenden Theologen der rheinischen Kirche ins Gespräch zu kommen. 

Aber Manfred Rekowski machte es ihm leicht. Locker, aber keineswegs beliebig, offen und aufrichtig gab er teilweise sehr persönliche Einblicke in sein Leben, seine Liebe zum Pfarrberuf und seinen Leitungsstil. Seine Bekenntnisse über das, was ihn als Christ in seinem Leben trägt, wirkten authentisch und so nahm er das Publikum für sich ein. Dazu trug auch seine geschliffene Sprache, gewürzt mit Humor und Selbstironie, bei. Es kostete den Moderator keine Mühe, die Brücke zum Publikum zu schlagen, wie sich in der lebendigen Diskussion erwies. Dabei kamen aktuelle Themen wie etwa der Umgang mit Flüchtlingen oder das Reformationsjubiläum zur Sprache. „Mit dem kann man reden“, lautete schließlich der Kommentar eines Zuhörers am Ende des Abends. 

Freimütig erzählte Manfred Rekowski von seiner Kindheit in Masuren, dem heute polnischen Teil von Ostpreußen, von der „frommen und manchmal engen Erziehung“, die er genossen „und manchmal auch erlitten“ habe. Der Wechsel der Familie nach Westdeutschland in eine Großstadt im Ruhrgebiet, als er fünf Jahre alt war, bedeutete für ihn nach eigenen Worten „einen Wechsel in eine Lebenswelt, in der man die Spielregeln nicht kannte“. Er erkämpfte sich die Schule, das Abitur und das Theologiestudium und fand schließlich zu einer Frömmigkeit, die – wie er erklärte – „die Freiheit zu denken und zu fragen“ vermittelte. 

„Ich bin ein Überzeugungstäter“, bekannte Rekowski und fügte hinzu: „Nichts kann mich von der Liebe Gottes trennen – das ist es, was mich als Christ in meinem Leben trägt.“ Bewusst strebte er den Beruf des Pfarrers an, den er in Wuppertal 25 Jahre lang ausübte. Die Schilderung des Werdegangs von Manfred Rekowski als Pfarrer, Superintendent, Oberkirchenrat und schließlich Präses zeigte nebenbei Streiflichter vom dramatischen Wandel des kirchlichen Lebens. So verlor die früher stark evangelisch geprägte Stadt Wuppertal innerhalb weniger Jahre 52 Prozent ihrer Gemeindemitglieder. Dies sei keine Folge schlechter pastoraler Arbeit, meinte Rekowski, denn: „So schlecht kann man gar nicht predigen“. 

Kirche müsse sich auf die veränderten Bedingungen einstellen, meinte er, aber dafür gebe es keinen Masterplan. Er selbst habe immer wenig Angst vor Veränderungen gehabt. „Es geht mir um das Gestalten von Kirche, nicht um das Verwalten eines Ist-Zustands“, beschrieb der Präses auf entsprechende Fragen seinen eigenen Leitungsstil. In diesem Zusammenhang ging er auf ein Treffen mit Superintendenten aus dem südlichen Rheinland wenige Stunden zuvor ein. Dabei seien die Herausforderungen diskutiert worden, vor denen gerade die evangelische Kirche im ländlichen Raum steht. 

Die abschließenden „Was wäre, wenn…“-Fragen von Gerhard Engbarth beantwortete Manfred Rekowski wiederum sehr offen und die letzte sogar besonders persönlich. Er würde in seinem Leben wieder die gleichen Grundentscheidungen treffen, auch wenn er die Chance hätte, etwas anders zu machen, betonte er. Einem jungen Menschen vor dem Schritt ins Berufsleben würde er Mut wünschen, auch einmal Fehler zu machen, und die Frage, welchen Wunsch ihm eine gute Fee erfüllen könnte, brachte beinahe großväterliche Gefühle zum Vorschein – immerhin wird er in einigen Monaten 60 Jahre alt. „Eine längere Lebensphase mit einem Enkelkind zu verbringen würde mir Freude machen“, meinte er. „Wenn mir das der liebe Gott schenken würde, wäre ich zufrieden und dafür brauche ich keine gute Fee.“ 

 

07.09.2017 - mu